{"id":192,"date":"2025-10-01T10:12:00","date_gmt":"2025-10-01T08:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.creatingcompetitiveness.at\/?p=192"},"modified":"2025-11-12T16:16:20","modified_gmt":"2025-11-12T15:16:20","slug":"ki-szenarien-und-strategische-antworten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.creatingcompetitiveness.at\/en\/ki-szenarien-und-strategische-antworten\/","title":{"rendered":"KI-Szenarien und Strategische Antworten"},"content":{"rendered":"<p>Sucht man aktuelle Forschung \u00fcber den strategischen Einfluss von KI in Firmen, dann findet man vor allem solche aus China. Das kommt nicht nur daher, dass chinesische Forscher aktiver publizieren, sondern liegt vor allem auch daran, dass die dortigen Firmen und Konzerne viel schneller nicht nur die Automatisierung in den Fabriken, sondern auch den Einsatz k\u00fcnstlicher Intelligenz in Firmen vorantreiben, als dies hier der Fall w\u00e4re. Eine Studie unter gut 500 chinesischen Firmen (Gao et al. 2025) zeigt etwa nicht nur erwartungsgem\u00e4\u00df, dass der Einsatz von KI die Innovationsbereitschaft, die dynamischen F\u00e4higkeiten (siehe auch Liu et al. 2024) und die Effizienz der Finanzierung (Li et al. 2024) der Firmen erh\u00f6ht, sondern dass dies auch durch existierende dynamische F\u00e4higkeiten gef\u00f6rdert, wenn nicht gar erst erm\u00f6glicht wird. Wie aber konkret in Zeiten der K\u00fcnstlichen Intelligenz solche dynamischen F\u00e4higkeiten gestaltet werden, zeigen eher Einzelbeispiele aus den USA, die heute noch Extreme darstellen, aber morgen schon alle Firmen pr\u00e4gen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispielsweise berichtete etwa die NZZ k\u00fcrzlich von \u00fcber 5000 Dollar liegenden Wochengeh\u00e4ltern, welche Jane Street, ein Market Maker, nicht f\u00fcr etablierte Trader, sondern f\u00fcr Praktikanten anbietet \u2013 nat\u00fcrlich nur f\u00fcr Top-Talente aus den bekannten Elite-Universit\u00e4ten, die ein Doktorat aus Mathematik oder anderen naturwissenschaftlichen F\u00e4chern vorweisen k\u00f6nnen. Und DIE ZEIT nennt Mark Zuckerberg, wie er versucht im KI-Rennen aufzuholen, indem er ebensolche Talente aus anderen Firmen mit Milliarden-Geh\u00e4ltern abzuwerben versucht. Jane Street, als Partnerschaft organisiert, zahlt exorbitante Geh\u00e4lter, aber f\u00fcr eine relativ kleine Zahl an Mitarbeitern (etwa 3000), mit der es Ertr\u00e4ge erwirtschaftet wie wesentlich gr\u00f6\u00dfere Investmentgesellschaften. Denn diese Top-Entwickler, eigentlich Wissenschaftler, die sich sehr spezialisierten Anwendungen verschrieben haben, entwickeln jene KIs, die ohne wesentliche zus\u00e4tzliche Belegschaft das Gesch\u00e4ft erledigen \u2013 und zwar wesentlich besser als die Menschen je gekonnt haben. Und auch Zuckerberg plant kleine Teams rund um diese zentralen Figuren. Denn die Fu\u00df-Arbeit der Programmierung macht ja jetzt schon die KI.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Kommentatoren, vor allem in der oben zitierten NZZ zu finden, sehen in der KI blo\u00df einen weiteren Hype, der sich nur f\u00fcr wenige Firmen letztlich auszahlen wird. Der Gro\u00dfteil der derzeit exorbitanten Investitionen w\u00fcrden sich nicht rechnen, und die Karawane w\u00fcrde unter zwar ver\u00e4nderten Bedingungen, aber im Wesentlichen unbeirrt weiterziehen. Nennen wir es \u201e<em><strong>das Boom-and-Bust-Szenario\u201c.<\/strong><\/em> Am extremen anderen Ende der vorgestellten Entwicklungen liegen jene, die in wenigen Jahren die Maschinen autonom agierend und lernend sehen und letztlich dem Menschen die Kontrolle entziehen w\u00fcrden. Gerade aus der Tech-Szene kommen viele Anh\u00e4nger dieser Sichtweise, und sie wurde ja auch schon fr\u00fcher filmisch durchexerziert, wie k\u00f6nnte es daher das \u201e<em><strong>Terminator-Szenario<\/strong><\/em>\u201c hei\u00dfen. Deren Apologeten propagieren aber sehr unterschiedliche Vorgehensweisen, mit diesen Entwicklungen umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Realistisch aber ist jene Entwicklung \u2013 nennen wir es das \u201e<em><strong>Konzentrations-Szenario<\/strong><\/em>\u201c -, die eben jetzt schon durch Firmen wie Jane Street und Zuckerbergs Meta vorexerziert wird. Wenige Top-Entwickler, bezahlt durch astronomische Geh\u00e4lter, umgeben von etwas mehr auch sehr gut bezahlten Team-Mitgliedern, gestalten spezialisierte KI-Agenten, welche den ganzen Rest erledigen (die Diskussion um allgemeine generative Intelligenz ist bestenfalls ein Ablenkungsman\u00f6ver). Dies betrifft zun\u00e4chst alle geistigen T\u00e4tigkeiten, welche in der Dienstleistungsgesellschaft vor allem f\u00fcr akademisch ausgebildete Leute gute Durchschnittsgeh\u00e4lter garantierten. Damit wird es f\u00fcr die breite Masse vorbei sein. Bleiben die physischen T\u00e4tigkeiten. Aber auch die Taxis fahren schon autonom und die Fabriken drehen zunehmend das Licht aus, nicht weil sie schlie\u00dfen w\u00fcrden, sondern weil sie ohne Menschen auskommen. Die einzige Art von T\u00e4tigkeit, die dem Menschen noch lange vorbehalten sein wird, ist das alte Handwerk, vom Installateur, der Elektrikerin, dem Putzmann, bis zu allen Reparaturt\u00e4tigkeiten, die zu unspezifisch sind, um sie einem Roboter erlernen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Moment scheinen sich die meisten Entscheidungstr\u00e4ger in den Firmen zwar \u00fcber die potenziell disruptive Wirkung K\u00fcnstlicher Intelligenz bewusst zu sein, aber im Wesentlichen vom Boom-and-Bust-Szenario auszugehen, denn ein Einfluss auf strategische Entscheidungen ist praktisch nicht sichtbar. Weil Vorhersagen \u00fcber konkrete Auswirkungen, vor allem \u00fcber deren Zeitpunkt, auch kaum m\u00f6glich sind, ist dies auch sehr verst\u00e4ndlich. <strong>Die oben zitierten Studien zeigen aber eines eindeutig: Nur wer heute schon an seinen dynamischen F\u00e4higkeiten arbeitet und diese entwickelt, insbesondere an jenen im Umgang mit diesen neuen KI- und Automatisierungs-Technologien, wird bereit sein, wenn sich die Welt dann tats\u00e4chlich disruptiv in Richtung Konzentrations-Szenario ver\u00e4ndert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gao Y, Liu S, Yang L (2025) Artificial intelligence and innovation capability: A dynamic capabilities perspective. Int Rev Econ Financ 98:. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.iref.2025.103923\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.iref.2025.103923<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Li Y, Zhong H, Tong Q (2024) Artificial intelligence, dynamic capabilities, and corporate financial asset allocation. Int Rev Financ Anal 96:103773. <a href=\"https:\/\/doi.org\/https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.irfa.2024.103773\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">https:\/\/doi.org\/https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.irfa.2024.103773<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Liu Y (David), Sun J, Zhang Z (Justin), et al (2024) How AI Impacts Companies\u2019 Dynamic Capabilities.&nbsp;Res Manag 67:64\u201376. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/08956308.2024.2324407\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">https:\/\/doi.org\/10.1080\/08956308.2024.2324407<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Neue Z\u00fcrcher Zeitung vom 9.9.2025<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit Nr. 36\/2025<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sucht man aktuelle Forschung \u00fcber den strategischen Einfluss von KI in Firmen, dann findet man vor allem solche aus China. 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