{"id":123,"date":"2021-06-10T11:15:00","date_gmt":"2021-06-10T09:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.creatingcompetitiveness.at\/CC\/?p=123"},"modified":"2026-02-11T10:22:54","modified_gmt":"2026-02-11T09:22:54","slug":"die-rettung-aus-der-babylonischen-sprachverwirrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.creatingcompetitiveness.at\/en\/die-rettung-aus-der-babylonischen-sprachverwirrung\/","title":{"rendered":"Die Rettung aus der Babylonischen Sprachverwirrung"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Tage wird Celonis als erstes deutsches Decacorn gefeiert. Ein Decacorn ist ein Start-Up das nicht nur mit einer l\u00e4cherlichen Milliarde (ein Unicorn), sondern mit stattlichen 10 Milliarden Dollar bewertet wird. Nun kann man gegen\u00fcber solchen Bewertungen durch Risikokapitalgeber, die panisch nach Anlagem\u00f6glichkeiten suchen, eine gewisse Grundskepsis entwickeln. Jedenfalls lohnt es sich einen Blick auf das Gesch\u00e4ft von Celonis zu werfen, das nat\u00fcrlich nicht nur nur in einer \u201ePhantasie\u201c besteht. Celonis verspricht mit seiner Unternehmenssoftware zur Optimierung von Unternehmensprozessen \u2013 Process Mining \u2013 substantielle Kosteneinsparungen. Offenbar ist dieses Versprechen keineswegs ein Leeres, die Referenzlisten sind beeindruckend, von Siemens bis AT&amp;T. Verwunderlicher ist eher, dass es in den gro\u00dfen Firmen, welche die Referenzliste bev\u00f6lkern, immer noch so viel Einsparungspotential zu heben gibt. Laut FAZ (4.6.21, auch in einer eigenen Unternehmenspr\u00e4sentation zu finden) hatte offenbar die Deutsche Telekom durch die Software 66 (oder doch nur 63?) Millionen Euro \u201edadurch eingespart, dass Doppelzahlungen f\u00fcr eingekaufte Leistungen vermieden und durch das p\u00fcnktliche Begleichen von Rechnungen die Skonti erh\u00f6ht werden konnten\u201c. Doppelzahlungen? Skonti? Hallo? Wird hier ein Ein\u00e4ugiger zum Decacorn, weil er noch so viele Blinde findet? Neben Celonis profitieren weitere solche Prozessoptimierer: UiPath, mit 29 Milliarden Dollar bewertet, und das Berliner Start-Up Signavio wurde im M\u00e4rz von SAP um angebliche 1.2 Milliarden Dollar aufgekauft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Haben all die effizienzorientieren Management-Konzepte der letzten Jahrzehnte mit ihren Buzzwords von Lean Management, Business Process Management, Total Quality Management bis zu den Agilen Projekten so viele L\u00fccken gelassen, dass die Unicorns und Decacorns noch so saftige Weiden zum Abgrasen finden. Daran allein kann es wohl nicht liegen. Vielmehr, es kam, wie es immer kommt. Die genannten Konzepte versprachen alle unglaubliche Effizienzgewinne und zum Teil l\u00f6sten sie dieses Versprechen auch ein \u2013 lokal. Die L\u00f6sungen setzen immer bei einzelnen Prozessen an und \u2013 vor allem \u2013 wurden mit jeweils einer zus\u00e4tzlichen Unternehmenssoftware unterst\u00fctzt. In gr\u00f6\u00dferen Unternehmen benutzen Mitarbeiterinnen um die 200 verschiedene Computer-Systeme, Programme, oder \u201eApps\u201c, viele davon regelm\u00e4\u00dfig: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, E-Mail, drei Chatprogramme, drei Workflow-Management-Systeme, ein ERP-System mit drei Untermodulen, eine Kollaborationsplattform mit angeschlossenem Projektmanagement, Zeitmanagement, eine Mitarbeiter-Plattform mit Gehaltsabrechnung und Gutschein-System, eine App f\u00fcr die Kantine und so weiter. Eine babylonische Sprachverwirrung, verursacht auch durch jene Branche, die sich nun als Retterin aufschwingt, \u201eder heilige Geist\u201c der mit Engelszungen spricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade die IT in Unternehmen aller Gr\u00f6\u00dfen steht immer wieder vor dieser Entscheidung: Entweder lokale Anpassung der Systeme, Erg\u00e4nzung durch das 201. Subsystem und Auffangen von Unzul\u00e4nglichkeiten durch \u201eWork Arounds\u201c (zum Beispiel: jede Mitarbeiterin bastelt sich ihr eigenes Excel-Sheet mit den Daten aus der zentralen Datenbank, Cobol-Programmierer werden aus der Pension geholt), oder: eine v\u00f6llig neu programmierte Komplett-L\u00f6sung. Letzteres passiert praktisch nie, die Pfadabh\u00e4ngigkeiten und damit verbundene Komplexit\u00e4t sind zu gro\u00df. Dies gilt vor allem f\u00fcr Unternehmen, die sich in einer auf Kontinuit\u00e4t basierenden Wettbewerbsarena befinden, in unserem Modell die \u201eBesteher\u201c und die \u201eNetzwerker\u201c. Wer jedoch im Wettbewerbsumfeld auf die Aus\u00fcbung Strategischer Wahl setzt, der sollte auch seine internen Prozesse entkoppeln. Im Creating Competitiveness Framework sind dies die \u201eDominierer\u201c und \u201eAntreiber\u201c. Das v\u00f6llige Neu-Aufsetzen interner Prozesse und der dazugeh\u00f6rigen IT geh\u00f6rt immer wieder dazu. Modularit\u00e4t hilft bei Entkopplung und wirkt der babylonischen Sprachverwirrung entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Johannes M. Lehner<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Tage wird Celonis als erstes deutsches Decacorn gefeiert. Ein Decacorn ist ein Start-Up das nicht nur mit einer l\u00e4cherlichen Milliarde (ein Unicorn), sondern mit stattlichen 10 Milliarden Dollar bewertet wird. 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