{"id":107,"date":"2020-04-30T11:08:00","date_gmt":"2020-04-30T09:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.creatingcompetitiveness.at\/CC\/?p=107"},"modified":"2026-02-11T10:24:20","modified_gmt":"2026-02-11T09:24:20","slug":"was-wurde-eigentlich-aus-der-blockchain","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.creatingcompetitiveness.at\/en\/was-wurde-eigentlich-aus-der-blockchain\/","title":{"rendered":"Was wurde eigentlich aus der Blockchain?"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits Anfang 2016, bevor der gro\u00dfe Hype um die Blockchain begann, habe ich mich in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisch damit auseinandergesetzt. Vier Jahre sp\u00e4ter redet kaum jemand mehr davon \u2013 und wenn, dann eher \u00fcber die negativen Umweltfolgen (durch hohen Stromverbrauch) der Kryptow\u00e4hrungen oder damit in Zusammenhang stehenden kriminellen Aktivit\u00e4ten. Aber wo sind die sonstigen, angeblich revolution\u00e4ren, nicht nur die Finanzwelt auf den Kopf stellenden Anwendungen der Blockchain geblieben? War alles nur eine durch Bestseller-Autoren, Start-Up Gr\u00fcnder und die diese finanzierenden Risikokapitalgeber getriebener Hype, die einen stillen Tod stirbt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung (wie in der Abbildung repr\u00e4sentiert durch die Zahl an Beitr\u00e4gen mit dem Stichwort \u201eBlockchain\u201c auf Reuters.com) \u00e4hnelt einem klassischen Gartner-Zyklus. Nach einem Hype (Ende 2017) folgt eine Phase der Konsolidierung. 2019 wurde die Diskussion wieder durch die Facebook-W\u00e4hrung \u201eLibra\u201c angeheizt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"870\" height=\"564\" src=\"https:\/\/www.creatingcompetitiveness.at\/CC\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/1588317780.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-108\" srcset=\"https:\/\/www.creatingcompetitiveness.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/1588317780.png 870w, https:\/\/www.creatingcompetitiveness.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/1588317780-300x194.png 300w, https:\/\/www.creatingcompetitiveness.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/1588317780-768x498.png 768w\" sizes=\"(max-width: 870px) 100vw, 870px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tats\u00e4chlich waren wegen der hohen Komplexit\u00e4t der Technologie viele (eigentlich nur in Proof-of-Concept vorhandene) Projekte zum Scheitern verurteilt. Ein wesentlicher Aspekt dieser Komplexit\u00e4t liegt in der Notwendigkeit der Kooperation unter heterogenen Playern (siehe die Dimension Rivalit\u00e4t versus Kooperation im Competitiveness-Modell), um diese Technologie als Infrastruktur zu etablieren. Standards k\u00f6nnen sich nur \u00fcber die Zusammenarbeit mehrerer Player etablieren. Statt bestehende Anwendungen und den damit verbundenen Markt wie eine Schumpeterianische Innovation einfach hinwegzufegen, wie viele Proponenten meinten, muss sich die Technologie an bestehenden, rivalisierenden L\u00f6sungen messen lassen, insbesondere in Bezug auf Effizienz und Zuverl\u00e4ssigkeit. Und dies erweist sich als m\u00fchsamer Prozess.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Beispiel ist die naheliegende Anwendung der Blockchain-Technologie zur R\u00fcckverfolgung der Lieferkette, etwa bei Lebensmitteln, oder bei Luxusg\u00fctern zur \u00dcberpr\u00fcfung der Echtheit und der Herkunft \u2013 ein wesentlicher Aspekt der Kooperations-Dimension. F\u00fcr ihre Lebensmittel setzt etwa Nestle auf die Blockchain, w\u00e4hrend andere Firmen traditionelle Datenbanken verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Beispiel liefert ein aktueller Beitrag aus unserer eigenen Forschung (Lehner\/Sch\u00fctzeneder\/Sametinger, 2020), wo die Blockchain und darauf laufende Tokens und Smart Contracts zur Projektkoordination und Projektsteuerung diskutiert werden. Das stellt eine M\u00f6glichkeit dar, die sich unter einer mittlerweile un\u00fcberblickbaren Vielfalt an Tools in diesem Umfeld bew\u00e4hren muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Blockchain-Anwendungen enthalten (a) die M\u00f6glichkeit der Anonymit\u00e4t (Verschl\u00fcsselung und selektiver Zugang zu Information \u00fcber Schl\u00fcssel-Management) und vor allem (b) eine Ergebnisorientierung (Tokens und Smart Contracts), statt einem Fokus auf die \u00dcberwachung der Prozesse. Dies sollte einerseits F\u00fchrungserfordernisse reduzieren und andererseits den Mitarbeitern ein St\u00fcck Autonomie zur\u00fcckgeben, welche sie durch den Zwang der Nutzung einer Vielzahl an Apps und Kommunikationskan\u00e4len verloren haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Johannes M. Lehner<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Literatur:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lehner, Johannes M., Philip Sch\u00fctzeneder, Johannes Sametinger: Custom Tokens und Smart Contracts zur Projektsteuerung und Projektkoordination. In: Fill, Hans-Georg, Mayr, Andreas (Hrsg.): Blockchain. Grundlagen, Anwendungsszenarien und Nutzungspotenziale. Im Druck, 2020. Springer.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lehner, Johannes M.: L\u00f6st Blockchain die n\u00e4chste Krise aus? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Mai 2016, S. 16.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits Anfang 2016, bevor der gro\u00dfe Hype um die Blockchain begann, habe ich mich in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisch damit auseinandergesetzt. 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